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Integration moderner Medientechnik am Justizzentrum Düsseldorf

Mit dem Neubau des Land- und Amtsgerichts Düsseldorf entstand eines der größten Justizzentren Deutschlands. Ebenso modern wie Architektur und Innenarchitektur ist die Medientechnik des am 28. April 2010 eingeweihten Gebäudes. Insgesamt umfasst das Justizzentrum eine Gesamtfläche von 62 000 m². Die Medientechnik stellt Richtern, Geschworenen, Anwälten, Klägern, Beklagten und Besuchernvin den Gerichtssälen das Handwerkszeug zur Verfügung, das bei einer modernen Prozessführung benötigt wird. Tagtäglich nutzen rund 3.000 Besucher und 950 Mitarbeiter die neuen Räumlichkeiten des Land- und Amtsgerichts.

Die Basis für effektive und zeitgemäße Verfahren, im Gebäude mit 11 Schulungs- u. Konferenzräumen, 41 Einzelrichtersälen, 7 großen Strafkammern, 6 kleinen Strafkammern sowie 2 Schwurgerichtssälen, wird unter anderem durch die medientechnische Ausstattung bewirkt. Die Wiedergabe der elektronischen Prozessakte ist nur eine der vielen Aufgaben der Medientechnik. So werden Information über Prozesse durch elektronische Türschilder im jeweiligen Saal dargestellt und ein Aufruf draußen außerhalb des Gerichtssaals wartender Zeugen kann aus den Gerichtssälen heraus direkt mittels Richtersprechstelle erfolgen. Jeder größere Gerichtssaal kann so seine eigene Ausstattung mit autarken Diskussions-, Audio- und Bildsystemen für eine zeitgemäße Prozessführung sicherstellen. Dennoch ist die Übertragung von Bild- und Tonsignalen in andere Säle, unter anderem in der Vernetzung der Diskussionsanlagen per NetRateBus und CobraNet der verschiedenen Säle, die Steuerung der Raumfunktionen bis hin zum rechtzeitigen Hochfahren der Jalousien vor den Fenstern gewährleistet. Die Medientechnik muss von den Richtern bedient werden und muss damit in der Handhabung ungeachtet der Komplexität der Medientechnik übersichtlich und verständlich
gestaltet sein.

Prinzipiell können alle Säle Video- und Audiosignale austauschen und die Konferenzanlagen aller Räume miteinander kommunizieren, um beispielsweise bei größeren Prozessen zusätzlichen Zuschauern und Pressevertretern Platz zu bieten. Außerdem können bei bestimmten Verhandlungen auch außerhalb des eigentlichen Gerichtsaals, per Video- oder Telekonferenzbetrieb, Teilnehmer zugeschaltet werden, um zu vermeiden, dass beispielsweise Opfer mit Tätern konfrontiert werden.

Um diese Netzwerkfunktionalitäten zur Verfügung zu stellen, werden die Audio- und Videosignale in einen zentralen Technikraum geführt. Die Vernetzung der Audiosignale basiert auf den AudiaFlex CM Modulen von Biamp via CobraNet. Die Signalverteilung ist dabei nur eine Aufgabe der insgesamt sieben AudiaFlex CM; sie sorgen auch für die Signalbearbeitung. Um die langen Zuleitungswege der MCS-D 200 Steuerzentralen, die im Technikraum zusammengefasst wurden, zu den Gerichtsälen zu überbrücken, wurde mittels dem neu entwickelten Optokoppler CA 4211 von beyerdynamic hier eine Lösung für die Umsetzung der NetRateBus-Signale auf Glasfaserverbindungen mit einer maximalen Länge von 2 km geschaffen. Damit erhalten die 15 größeren Gerichtssälen (7 große Strafkammern, 6 kleine Strafkammern, 2 Schwurgerichtssäle) jeweils ihre „eigene“ Steuerzentrale, welche über den iCNS-Server im Technikraum über jeweils 2 pro Saal (Richter, Saalwachmeister) vorhandene Crestron-Touchpanel bedient werden können. In den beiden Schwurgerichtssälen werden die eingesetzten Sprechstellen zu 4 Gruppen zusammengefasst und einer richtungsbezogenen Beschallung via Audiointerface CA 4566, AudiaFlex und PA2 Verstärkerausgangskarten zugeführt. So hört und sieht der Richter die sprechenden Prozessteilnehmer gleichzeitig.

Die neuen Sprechstellen MCS-D 3041 für die Prozessbeteiligten und MCS-D 3073 für die Richter verfügen über eine ansprechende Optik und weitere Vorzüge: geringe Gehäusetiefe für mehr Platz für Prozessunterlagen auf dem Tisch, seitliche Schwanenhalsmontage für optimalen Laptop-Betrieb und variable NetRateBus-Anschlüsse rückseitig und bodenseitig für die verschiedenen Platzierungen der Sprechstellen. Das Justizzentrum ist so mit insgesamt 454 Sprechstellen ausgestattet, wobei die Richtersprechstellen über eine Sonderausführung mit deutscher Beschriftung sowie der programmierten Funktionstaste „4“ für Zeugenaufruf verfügen.

Als Standardbetriebsart der Diskussionsanlage wurde „freies Sprechen“ festgelegt. Dies kann jedoch im Laufe der Sitzung durch eine Betriebsartumschaltung geändert werden, wenn der Richter beispielsweise eine restriktive „Wortzuteilung“ wünscht. Diese Änderung kann im MCS-Digital System direkt und ohne einen Neustart der Steuerzentrale über das Crestron Touchpanel durchgeführt werden. Um zu verhindern, dass ein Zeugenaufruf durch einen Richter ungehört bleibt, weil zu gleicher Zeit ein anderer einen Ruf absetzt, wird an allen MCS-D 3073 Sprechstellen mit blinkender LED das Besetzzeichen signalisiert. Grundsätzlich bekommt die Crestron Mediensteuerung sämtliche Statusmeldungen der Steuerzentrale mitgeteilt, beziehungsweise können diese direkt abgefragt werden. Auch lässt sich die Speakerlist der iCNS mit Hilfe des externen Controller abfragen, um nur einige der Funktionen aufzuführen. Mit Hilfe der Biamp Netzwerksprechstelle NPS 1 werden in den 41 Einzelrichtersälen der Zeugenaufruf sowie die selbstständige Verriegelung bei bereits aktivem Aufruf sichergestellt. Diese Sprechstellen sind direkt im CobraNet-Netzwerk eingebunden und lassen sich neben der Audioübertragung über das selbe Netzwerk steuern.

Wird die MCS-Digital Anlage im Falle einer Zeugenbefragung via Videokonferenz zugeschaltet, erfolgt das Routing des Audiosignals über die AEC Karten der AudiaFlex. Damit ist sichergestellt, dass durch Vollduplex-Betrieb alle Wortbeiträge der Prozessbeteiligten uneingeschränkt in bester Audioqualität und ohne Echo zu hören sind.

Sowohl die Größenordnung als auch Detaillösungen machen die Besonderheiten der medientechnischen Installation im neuen Land- und Amtsgericht aus. Viele Extras sind während der Bauphase als Add-On in die MCS-D 200 Anlage implementiert worden, die bereits in vielen anderen Projekten von Nutzen sind.

Fotos: Carl Koopmann GmbH & Co. KG, Ratingen