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Wie wähle ich meinen Kopfhörer?

Wenn wir das aktuelle Angebot an professionell einsetzbaren Kopfhörern anschauen sehen wir, dass es sehr viele verschiedene Modelle, Bauarten, Impedanzen, usw. gibt. Wie wähle ich aber aus diesem riesigem Angebot den Kopfhörer aus, der am besten zu mir und meiner Anwendung passt? Worauf muss ich achten? Welche Eigenschaften haben welchen Einfluss?

• Schallwandler

Fangen wir ganz am Anfang, mit den Schallwandlern an. Kopfhörer benötigen Schallwandler um das Audiosignal in Luftbewegungen (Schall) umzuwandeln. Es gibt viele verschiedene Arten von Schallwandlern, hier 4 verschiedene Varianten: 

Quelle: Wikipedia.com

Elektrostatische Schallwandler
Der Wandler ist aus zwei gitterförmigen, sich direkt gegenüberliegenden  Elektroden aufgebaut, zwischen denen sich die Membran (Dicke: < 2 Mikron) befindet. Die Elektroden sind, abhängig vom Audiosignal, immer gegensätzlich geladen und ziehen bzw. stoßen die Membran, abhängig von deren Ladung, an bzw. ab. Elektrostatische Schallwandler werden aufgrund ihrer extremen Genauigkeit und dem geringen Klirrfaktor von Audiophilen sehr geschätzt. Nachteile sind allerdings die benötigte hohe Betriebsspannung, die mechanische Empfindlichkeit und natürlich auch der relativ hohe Anschaffungspreis.

 

Orthodynamische Schallwandler
Ein weiterer Wandler ist der von vielen schon fast vergessene orthodynamische Schallwandler. Der Wandler ist aus zwei gitterförmigen Ferritmagneten aufgebaut, die mit einem gewissen Abstand direkt gegenüber einander platziert sind und zwischen denen sich eine gewölbte Membrane befindet. Die Membrane besteht aus zwei Schichten, zwischen denen die Spule (flach) angebracht wurde. Die Membrane (Spule) bewegt sich zwischen den beiden Magneten (abhängig vom Audio-Signal), so wird die Luft in Bewegung gesetzt und Schall erzeugt. Orthodynamische Wandler klingen ebenfalls sehr genau und haben einen sehr geringen Klirrfaktor. In den 80er Jahren wurde diese Art von Wandler häufig benutzt, ist heute aber kaum noch zu finden. Der größte Nachteil bestand darin, dass durch die geringen Kräfte der eingesetzten Magnete, nur ein geringer Schalldruck erreicht werden konnte.

 

T 1 dynamisches Tesla System

Dynamische Schallwandler
Der dritte Wandler ist gleichzeitig auch der meist eingesetzte Wandler: der dynamische Schallwandler, der im Prinzip wie ein Lautsprecher aufgebaut ist: Hinten auf die Membrane ist eine Ringspule (auch wohl Tauchspule genannt) geklebt, die sich in einem Luftspalt eines Permanent-Ringmagneten bewegt. Dieser Wandler bietet eine hohe Wiedergabequalität, ist mechanisch sehr robust, braucht nur eine geringe Betriebsspannung und hat einen im Vergleich zu elektrostatischen Wandlern einen wesentlich niedrigeren Anschaffungspreis. Aus diesen Gründen ist der dynamische Schallwandler heutzutage der meist eingesetzte Wandler und weltweit in fast jedem Studio-Kopfhörer zu finden.

 

(Elektro-) Magnetische Schallwandler
Der vierte Schallwandler ist der magnetische, oder auch elektromagnetische Schallwandler. Diese Wandler werden häufig in höherwertigen/teureren In-Ohr-Hörern benutzt. Der elektromagnetische Wandler ist im Grunde genommen dem dynamischen Schallwandler ähnlich, nur dass die Membrane gleichzeitig der Magnet ist und die Spule sich fest darunter befindet (wie der Permanent-Ringmagnet beim dynamischen Wandler). Der deutliche Vorteil ist der Schalldruck. Diese Wandler produzieren mehr Schalldruck als z.B. dynamische Schallwandler. Die Nachteile sind allerdings der höhere Anschaffungspreis, der etwas schlechtere Klirrfaktor und der Resonanzpeak. Der Resonanzpeak ist (je nach Modell) ein bestimmter Frequenzbereich der deutlich um einige dB’s angehoben ist und so den Klang nachteilig beeinflusst, da immer ein bestimmter Bereich (bspw. der Sprachbereich oder Bassbereich) angehoben ist. Das ist auch der Grund, warum in hochwertigeren In-Ohr-Hörern 2- oder  3-Weg-Systeme benutzt werden. So kann der komplette Übertragungsbereich eben flacher verlaufen. (Bei einem 3-Weg-System sind die Resonanzpeaks der drei einzelnen Systeme auf einander abgestimmt). 

• Verschiedene Ausführungen (Bauarten)

Wenn wir uns nun auf den Markt der dynamischen Kopfhörer konzentrieren, werden wir sehen, dass es abhängig vom Einsatzzweck und Ziel, sowohl große (normale) als auch sehr kleine Bauformen gibt.

In-Ohr-Hörer und Ohr-Knöpfe
Die kleinsten Bauarten sind In-Ohr-Hörer (auch In-Ear-Monitors, kurz IEM genannt) und Ohr-Knöpfe. Der Unterschied zwischen den beiden Bauarten ist, das In-Ohr-Hörer (wie z. B. der DT 60 PRO von beyerdynamic) wie Ohrstöpsel in den Gehörgang gesteckt werden, während Ohr-Knöpfe (wie z. B. die MX-Serie von Sennheiser) lediglich vor den Gehörgang in die Ohrmuschel gelegt bzw. geklemmt werden. Dadurch bieten In-Ohr-Hörer eine wesentlich höhere Isolation von Außengeräuschen, was aus verschiedenen Gründen eine große Rolle spielen kann.

beyerdynamic DT 60 PRO - Im-Ohr-Hörer

Angefangen bei der Akustik. Wenn der In-Ohr-Hörer richtig im Gehörgang sitzt und somit gut „abschließt“, ist der Raum zwischen dem Trommelfell und der Membrane geschlossen und sehr klein. Das Ganze funktioniert dann wie eine Art Federsystem (oder „Push-Pull-Mechanismus“) und die Membrane kann mit kleiner Auslenkung und wenig Energie das Trommelfell gut bewegen, was eine sehr gute Basswiedergabe zufolge hat. Sobald es in diesem System eine Undichtheit gibt, macht sich das sofort dadurch bemerkbar, dass tiefe Frequenzen verlorengehen (wie das bei Ohr-Knöpfen der Fall ist). Das liegt daran, dass das menschliche Ohr weniger empfindlich für tiefe Frequenzen (unterhalb von ca. 150 Hz) als für höhere Frequenzen ist. Wenn wir tiefe Frequenzen also besser hören wollen, dann muss viel Energie für deren Verstärkung aufgebracht werden. Bei der Verwendung von Lautsprechern sind tiefe Frequenzen auch körperlich noch spürbar. Bei Kopfhörern ist dies nicht der Fall. Auch sind Lautsprechermembrane größer und stabiler (dickeres Material), wodurch im Vergleich zu einem Kopfhörer wesentlich mehr Luft in Bewegung gesetzt werden kann. Um die geringe Energie, die das Kopfhörersystem entwickelt, optimal ausnutzen zu können muss dafür Sorge getragen werden, dass der Kopfhörer bzw. In-Ohr-Hörer optimal abschließt.

Der zweite Grund, warum es wichtig sein kann, das In-Ohr-Hörer gut abschließen ist, dass die Lautstärke nicht so hoch eingestellt werden muss und wir dadurch unser Gehör schützen. Ein In-Ohr-Hörer wird also richtig ins Ohr „gestöpselt“, schließt dadurch besser vor Außengeräuschen ab und kann somit den Gehörgang als Resonanzkörper benutzen, um einen besseren Klang zu erzeugen. Besonders die Basswiedergabe ist dadurch wesentlich besser als bei Ohr-Knöpfen. Um die Isolierung von Außengeräuschen, Klang und Tragekomfort nochmals zu verbessern, bieten viele Hersteller die Möglichkeit, sich bei einem Hörakustiker so genannte „Otoplastiken“ anfertigen zu lassen, die exakt auf die eigenen Ohren angepasst werden und die mitgelieferten Standard-Ohrstöpsel ersetzen.

Von den IEM’s und Ohr-Knöpfen kommen wir nun zu ohraufliegenden Kopfhörern. Hier ist aber sinnvoll, zuerst einmal die akustischen Arbeitsprinzipien von Kopfhörern näher zu betracht

• Exkurs: Arbeitsprinzipien

beyerdynamic DT 880 PRO

Offen, halb-offen (auch semi-offen genannt) oder geschlossen? Was ist der Unterschied?

Wie eben schon erläutert, ist die Basswiedergabe bei In-Ohr-Hörern sehr gut, weil der Raum zwischen Membrane und Trommelfell sozusagen „geschlossen“ ist. Es handelt sich in Prinzip also um geschlossene Systeme. Die Schlussfolgerung, das geschlossene Kopfhörer die beste Basswiedergabe haben ist allerdings nicht ganz richtig, denn das System funktioniert deutlich anders als bei IEM’s. Das ist aber nicht so einfach zu erklären und würde dieses Dokument zu stark verlängern.

Die größten Unterschiede zwischen geschlossenen und offenen Kopfhörern ist 1.) die starke Isolierung von Außengeräuschen bei geschlossenen Kopfhörern (und umgekehrt: die Außenwelt hört nicht was der Kopfhörer spielt) und 2.) der bessere räumliche Klang bei offenen Kopfhörern. Halb-offene Kopfhörer (wie bspw. der DT 880 PRO) sind im Prinzip eine Mischung aus beidem und versuchen diese beiden jeweiligen Vorteile zu vereinen. Wenn wir das Ganze mechanisch betrachten, stellen wir fest, das offene Kopfhörer einen Vorteil gegenüber geschlossenen haben: Das zwischen Membran und Kopfhörerschale in der Muschel geschlossene Luftvolumen bedämpft die Membranschwingung. Beim offenen Hörer kann durch die Schale ein Druckausgleich stattfinden, wodurch unter anderem die Impulstreue beeinflusst wird. Die erhöhte Dämpfung der Membran verringert aber auch die Gefahr unkontrollierter Schwingungen.

Die Wahl des Kopfhörers aufgrund seines Klangs ist natürlich davon abhängig, was wir damit hören wollen. Für bspw. klassische oder Jazz-Musik, bei der es nicht so starke Bassanteile gibt, aber eine sehr hohe Impulstreue gefragt ist, ist ein offener oder halb-offener Kopfhörer die perfekte Wahl. Für Pop- oder Rock-Musik ist ein geschlossener vorzuziehen.

Letztendlich entscheidet das Einsatzgebiet (also wo wollen wir den Kopfhörer benutzen?) über das geeignete Arbeitsprinzip. Soll der Kopfhörer in einer stillen Umgebung (bspw. im Studio-Regieraum) benutzt werden, um Musik abzumischen oder anzuhören, kann frei nach der Art und dem persönlichen Geschmack ausgewählt werden. Soll der Kopfhörer allerdings vom Musiker zum Monitoring während einer Aufnahme eingesetzt werden, sollte ein Kopfhörer gewählt werden, der sehr gut Außengeräusche abdämpft bzw. aber auch selbst wiederum sehr gut nach außen abschirmt, so dass der vom Kopfhörer erzeugte Schall nicht durch das Mikrofon aufgenommen wird.

Ohraufliegende Hörer
Jetzt, da wir die Unterschiede zwischen offenen, geschlossenen und halb-offenen Kopfhörern kennen,
können wir zu ohraufliegenden Kopfhörern zurückkehren. Da ohraufliegende Kopfhörer (auch supra-aural genannt) „nur“ auf der Ohrmuschel aufliegen, kann der Raum zwischen Trommelfell und Membrane unmöglich komplett geschlossen sein. Bei ohraufliegenden Kopfhörern unterscheidet man somit nur Varianten mit offenem oder geschlossenem Gehäuse, wobei die Nutzung, wie wir mittlerweile wissen, abhängig ist von Musik-Art und/oder vom Einsatzgebiet.

Hier kommen nun auch die Ohrpolster ins Spiel, welche einen großen Einfluss auf den Tragekomfort haben. Außer verschiedenen Materialien gibt auch verschiedene Formen. 1.) Die „flache“, geschlossene Variante, die in der Mitte komplett zu ist (bekannt von den alten Walkman-Kopfhörern). Diese Variante wird aber immer seltener. 2.) Die ringförmige, offene Variante (wie z.B. beim beyerdynamic DT 231 PRO), womit heutzutage fast jeder ohraufliegende Kopfhörer ausgestattet ist. Bei der „flachen“, geschlossenen Variante, entwickelt sich mit der Tragedauer sehr viel Wärme, was wiederum auf Kosten des Tragekomforts geht. Bei der ringförmigen, offenen Variante ist dieses Problem nahezu nicht vorhanden, so dass der Kopfhörer auch bei sehr langer Tragedauer immer angenehm sitzt.

Ohrumschliessende Hörer
Der ohrumschliessende Köpfhörer (auch zirkumaurale Kopfhörer genannt), ist die größte Bauart für Studio-Kopfhörer. Die Ohrpolster sind groß genug um rund um die Ohren auf dem Kopf anzuliegen. Sie umschließen das Ohr sozusagen und berühren es nicht. Dadurch gibt es auch eine klare Unterscheidung zwischen geschlossenen, offenen und halb-offenen Arbeitsprinzipien, denn abhängig vom Ohrpolster und dem Gehäuse, sind die Räume hinter der Membrane und zwischen Trommelfell und der Membrane entweder geschlossen oder offen.

Auch die unterschiedlichen Ohrpolster (Material, Form, Dichte) haben ihren Einfluss auf die Akustik des Hörers. Wenn das Ohrpolster bspw. nicht richtig am Kopf an- und abschließt wird der Raum zwischen Trommelfell und der Membrane nicht geschlossen und somit ist der Klang vom Kopfhörer nicht ideal. Die Ohrpolster die allerdings am besten abschließen, sind gleichzeitig aber nicht immer auch die komfortabelsten oder die hygienischsten Ohrpolster. So sind bspw. Lederimitat-Ohrpolster oder die mittlerweile sehr oft verwendeten „Softskin“-Ohrpolster sehr leicht zu reinigen, aber dadurch dass sie sehr gut abschließen entwickelt sich schnell viel Wärme, was wiederum Schwitzen verursacht. Der Schweiß wird von Softskin-Ohrpolstern nicht aufgenommen und kann mit einem ganz normalen nassen Lappen abgeputzt werden. Velours- oder Stoff-Ohrpolster hingegen schließen nicht so gut ab und sind dadurch ein bisschen luftiger. Dennoch entwickelt sich auch hier bei längerem Tragen Wärme. Der entstehende Schweiß wird durch das Ohrpolster aufgenommen. Das geht natürlich auf Kosten der Hygiene, wenn der Kopfhörer von vielen verschiedenen Personen getragen wird. Deshalb sollten Velours- oder Stoffohrpolster regelmäßig ausgewaschen werden. Natürlich gibt es noch verschiedene andere Varianten, bspw. die so genannten Gel-Ohrpolster, die aus einer flexiblen Folie bestehen und mit Gel gefüllt sind. Dadurch dass das Gel sich beim Aufsetzen des Kopfhörers gut über die ganze Fläche verteilt, passt sich das Ohrpolster perfekt am Kopf an und so entsteht eine ideale Isolierung. Auch Echt-Leder wird für Ohrpolster benutzt und verhält sich genauso wie „Softskin“ was die Wärmeentwicklung und Hygiene ange

• Impedanzen

Nachdem wir Schallwandler und akustische Prinzipien besprochen haben, stehen wir jetzt vor der Entscheidung, welche Impedanz wir brauchen? Kopfhörer gibt es in verschiedenen Impedanzen von 16 bis 600 Ohm und sogar höher, aber warum eigentlich? 

Um diese Frage zu beantworten gehen wir noch mal zurück zum Anfang; Die eigentliche Aufgabe des Kopfhörers ist das zugeführte Signal in Schalldruck umsetzen. Wie gut dies gelingt, ist durch den (meistens) angegebenen Kennschalldruckpegel zu erkennen. Der Kennschalldruckpegel wird angegeben in der Einheit „dB SPL“ und gibt an wie viel Schalldruck bei 1mW (0,001 Watt) zugeführter elektrischer Leistung erzeugt wird. Wenn wir die Kennschalldruck-Angabe bei verschiedenen Kopfhörern mit unterschiedlichen Impedanzen anschauen, stellen wir fest, dass die Zahl immer ungefähr denselben Wert hat. Die Quelle aber, an den der Kopfhörer angeschlossen ist, ist unterschiedlich und variiert von einem kleinen MP3-Player bis hin zu einem hochwertigen Kopfhörerverstärker. Tragbare Geräte (wie auch z.B. ein Laptop) arbeiten grundsätzlich mit einer niedrigeren Betriebsspannung wie ortsfeste Installationen (wie z.B. ein hochwertiger Kopfhörerverstärker). Wie uns die Elektrotechnik lehrt, benötigen wir weniger Strom, aber mehr Spannung bei höherer Impedanz. D.h. konkret: Wenn wir einen MP3-Player haben, der eine Betriebsspannung von z.B. 3,3V hat, wird dieser an einen 32 Ohm Kopfhörer eine Leistung von 42mW abgeben können, während das bei einem 250 Ohm Kopfhörer nur 5mW sind und bei einen 600 Ohm Kopfhörer nur noch 2,3mW. Hieraus zeigt sich ganz deutlich, dass wir für tragbare Geräte Kopfhörer mit niedrigeren Impedanzen benutzen müssen, um einen ausreichenden Ausgangspegel zu erreichen.

Jetzt kommt aber natürlich die Frage, warum es denn überhaupt Kopfhörer mit höheren Impedanzen gibt, wenn ein Gerät weniger Leistung braucht bei Kopfhörern mit niedrigerer Impedanz? 
Dafür gibt es zwei Gründe, wovon der erste wieder die Betriebsspannung ist. Bei ortsfesten Installationen (wie z.B. einem Kopfhörerverstärker) arbeitet man mit einer deutlich höheren Betriebsspannung von z.B. 15V oder 18V. Die Ausgangsspannung ist also wesentlich höher als bei einem Laptop oder MP3-Player. Der technische Aufwand, hochohmige Hörer zu treiben, ist in diesem Fall geringer als wenn man niederohmige Hörer treiben will, da der benötigte Ausgangsstrom (mehr Spannung, aber weniger Strom bei höherer Impedanz) nicht so hoch ist. Der zweite Grund ist mechanisch bedingt: Die Masse der Membrane und die der an der Rückseite aufgeklebten Spule, ist geringer als bei niederohmigen Kopfhörersystemen; und weniger Masse lässt sich leichter und also auch schneller bewegen. Der Grund hierfür liegt im lackierten Kupferdraht (zur Isolation), aus dem Spule aufgebaut ist. Fakt ist, das dünnerer Kupferdraht eine höhere Widerstand hat („da passt halt weniger durch“) als dickerer Kupferdraht. Das Magnetfeld, das eine Spule beim Anlegen des Audiosignals erzeugen soll ist aber unter anderem von der Anzahl der Windungen abhängig. Um diese minimale Anzahl der Windungen bei niedriger Impedanz zu erreichen, ist dickerer (und auch schwerer) Draht notwendig und weil die Membrane auch nicht unendlich leicht sein kann, ist somit die bewegte Masse (Membrane und Spule) relativ hoch im Vergleich zu hochohmigen Systemen.

• Technische Daten

Jetzt bleiben nur noch ein paar technische Daten, die es zu erklären gilt: der Übertragungsbereich, der Klirrfaktor und die Nennbelastbarkeit.

Übertragungsbereich
Der Übertragungsbereich sagt aus, was die niedrigste und die höchste Frequenz ist, die der Schallwandler wiedergeben kann. Grundsätzlich werden diese Grenzwerte an dem Punkt festgelegt, an dem es (an der unteren und oberen Frequenzgrenze) einen 3dB-Abfall gibt. Leider ist dies aber nicht genormt und es kommt doch des Öfteren vor, dass einige Hersteller da ein wenig schummeln. Ob der Kopfhörer also wirklich einen Übertragungsbereich von bspw. 20 bis 20.000 Hz hat bleibt die Frage. Ebenso bleibt offen, wie dieser angegebene Übertragungsbereich verläuft. Verläuft er linear oder geht es hoch und runter? Das könnte man an den Frequenzgang des Kopfhörers sehen, aber der wird sehr selten beigelegt, weil der bei den meisten Kopfhörern ziemlich „grausam“ aussieht. Die Erläuterung hierzu erfolgt weiter unten im Text. Idealerweise sollte man sich wirklich auf sein eigenes Gehör verlassen und die in Frage kommenden Kopfhörer in einem A/B-Vergleich einfach Probehören. Am besten mit einem Kopfhörer vergleichen, der einem selbst bereits bekannt ist.

Klirrfaktor
Den Klirrfaktor (auch T.H.D. genannt = Total Harmonic Distortion) haben wir ganz am Anfang schon einmal kurz erwähnt. Ohne das es jetzt zu kompliziert wird, ist der Klirrfaktor das Verhältnis vom Original-Signal (Grundton) zu der Summe der Signale, die durch den Schallwandler selbst oder durch Gehäuse-Teile erzeugt werden (Obertöne) und nicht im Original-Signal erhalten war. Da der Klirrfaktor immer kleiner oder höchstens 1 beträgt wird er meistens als Prozentsatz angegeben. Also je niedriger dieser Wert, desto weniger Obertöne die Schallwandler und/oder Gehäuse-Teile erzeugen und das ist genau das was wir wollen; Denn über die Obertöne – sofern diese anwesend sind – haben wir wenig bis gar keine Kontrolle und sie gehören auch nicht zum Original-Signal!

Nennbelastbarkeit
Die Nennbelastbarkeit ist ganz einfach die Leistung, die die Kopfhörersysteme über längere Zeit aufnehmen können, ohne zu beschädigen.

• Lokalisation

Das letzte Thema das ich in diesem Artikel ansprechen möchte, ist eine der größten Schwierigkeiten bei Kopfhörern im Allgemeinen: Nämlich die Lokalisation. Dies ist insofern ein Problem, da die (Kopfhörer-) Lautsprecher ja direkt auf unseren Ohren und nicht um uns herum oder vor uns platziert sind – was definitiv auch so klingt. Über die Jahre hat man viele Lösungsansätze präsentiert, von denen manche besser, manche schlechter funktionieren, aber das keine das Problem im Endeffekt zu 100% gelöst hat.  

Räumlich hören oder die Schallrichtung bestimmen wir Menschen mit beiden Ohren. Laufzeit, Frequenzspektrum und Lautstärkeunterschiede sind entscheidend bei der Bestimmung der Richtung, während die Reflektionen (frühe und späte Reflektionen) vom Raum in dem wir uns befinden entscheidend sind für den Lautsprecherabstand. Bei Kopfhörern kommt der Klang aber direkt ins Ohr und unser Kopf, die Ohren und der Raum haben im Prinzip keinen Einfluss mehr. So entsteht die „Im-Kopf-Lokalisation“: Wir haben den Eindruck, dass die Quelle sich in unserem Kopf befindet, was sehr unangenehm sein kann und vor allem auch sehr unrealistisch klingt.

Auch der Klang von einem linearen Lautsprecher wird in Wirklichkeit durch unseren Kopf und unsere Ohren beeinflusst, aber wir nehmen es „linear“ wahr. Auch dies ist bei einem Kopfhörer natürlich nicht der Fall, da der Schall direkt ins Ohr geht; unser Kopf und unsere Ohrmuscheln kommen erst gar nicht oder nur minimal ins Spiel. Bei diffusfeldentzerrten Kopfhörern wird dieses Problem versucht zu lösen, indem man die Verfärbungen, die vom Kopf und den Ohren verursacht werden, messtechnisch (mit Hilfe eines Kunstkopfes) zu erfassen und im Grunde genommen das Frequenzspektrum des Kopfhörers daran anzupassen. Die Bezeichnung „Diffusfeldentzerrung“ kommt daher, dass diese Verfärbungen im Diffusfeld gemessen werden. Das Diffusfeld ist der Ort an dem Reflektionen lauter sind als der Direktschall. Da den mechanischen und elektronischen Möglichkeiten aber Grenzen gesetzt sind, kann der Frequenzgang nie perfekt entzerrt werden. Außerdem sind manche Kopfhörer auch an persönliche Geschmäcker angepasst. Richtungshören ist, wie bereits erwähnt, abhängig von unserer Kopfform und unseren Ohren. Auch der Kunstkopf kann nur einen nicht-allgemeingültigen „Mittelwert“ darstellen. Eine Diffusfeldentzerrung des Kopfhörers reduziert so zwar die so genannte Im-Kopf-Lokalisation, ist aber kein Garant, das Problem vollständig zu lösen. Ausführliches Testhören ist daher auch weiterhin unbedingt zu empfehlen.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz erwähnen, dass es weitere Kopfhörersysteme gibt, welche das Audiosignal mittels einer DSP beeinflussen (wie z.B. das Headzone® Pro und Headzone® Pro XT System von beyerdynamic) und unser Gehirn „manipulieren“. Auch hier wird erst der Einfluss von Kopf und Ohren messtechnisch festgelegt und als so genannte HRTF (Head Related Transfer Function) abgespeichert. Diese HRTF beinhaltet unter anderem Informationen zu Laufzeiten unseres Kopfes (z.B. wie lange dauert es bis ein Signal von rechts dem linken Ohr erreicht, nachdem es das rechte Ohr erreicht hat, etc.). Das Audiosignal wird vom DSP angepasst (Cross-Feed, HRTF, Hallraum-Anteil, usw. werden hinzugefügt) und als Stereo-Signal auf den Kopfhörer wiedergegeben. Das ist sowohl mit Stereo als auch mit 5.1 Surround Signalen möglich und minimiert so wesentlich die Im-Kopf-Lokalisation.


© 2008 Peter Grooff
Product Manager Headzone® / Headphones / Headsets ProAudio
beyerdynamic GmbH & Co. KG