Headzone PRO XT HT v2.1.1
 
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Peter Grooff
Product Manager Headzone® / Headphones / Headsets / OEM

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Headzone PRO XT HT v2.1.1

Made in Germany
nur im Fachhandel erhältlich
Artikelnummer: 499331

5.1 Surround Kopfhörer Monitoring System mit Headtracking für OB Vans und andere Rundfunk-Anwendungen.

Als Endkunde in Deutschland können Sie Headzone® PRO und PRO XT ausschließlich über unsere Headzone® System Partner erwerben. Diese Auswahl an speziell geschulten Partnern gewährleistet Ihnen kompetente Beratung und die Möglichkeit zum ausführlichen Test des Systems:
» Headzone® System Partnerliste.
Interessierte Fachhändler oder „Industriekunden“ wenden sich bitte direkt an das beyerdynamic ProAudio-Team. Die Kontaktdaten finden Sie rechts.

» Kurzbeschreibung des Headzone® Systems und dessen Anwendungsgebiete finden Sie hier.
» Detailierte Informationen zur Headzone® PRO (XT) Technologie finden Sie hier.
» Referenzen & Auszeichnungen.

Set bestehend aus:
- Basisstation Headzone PRO XT (19")
- Headtracker-Empfangsschiene HR 2
- Halteklammer HC 1
- Firewire Kabel HVK-FW 6/6
- FireWire Kabel HVK-FW 4/6
- Quick-Installation Guide
- Software-CD
- Netzkabel

Als Kopfhörer mit Headtracking-Funktion werden wahlweise der DT 880 PRO HT (halboffen, Art.-Nr. 499.463) und der DT 770 PRO HT (geschlossen, Art.-Nr. 492.752) angeboten.

Eigenschaften:
- 19“/1 HE Rackeinbaugerät, lüfterlos
- Analoge 5.1-Audio-Eingänge in symmetrischer Ausführung (25-pol. SUB-D-Buchse, auf Kanal 1 bis 6 nach Tascam-Standard)
- Digitale 5.1-Audio-Eingänge über Firewire (IEEE 1394) oder AES/EBU (3-pol. XLR-Buchse)
- Einstellbarer, passwortgeschützter Limiter
- Patentierte EarPatron®-Technologie
- Anschlussmöglichkeit für einen weiteren Kopfhörer; bei Anschluss eines zweiten
Kopfhörers wird das Headtracking deaktiviert – die Surround-Wiedergabe bleibt bei beiden Kopfhörern aktiviert
- Kommunikationseingang (z.B. für Regieanweisungen), symmetrisch analog über 3-pol. XLR-Buchse; Lautstärkeregelung über separates Potenziometer auf der Frontplatte
- 3 Setup-Speicherbänke, abrufbar durch drei frei programmierbare Tasten an der Frontplatte der Basisstation
- Headtracking über Taste an der Frontplatte (de)aktivierbar
- Anschluss für Ultraschallempfänger symmetrisch ausgeführt, Empfängermodul mit 5 m Anschlusskabel (Steckverbindung 5-pol. XLR-Stecker)
- Integriertes Weitbereichsnetzteil (100 bis 240 VAC)

Software Control Panel
Alle wichtigen Parameter einstellbar individuelle Setups speicherbar lauffähig unter Windows 2k, XP, Vista, 7 (32 und 64 bit) und Mac OS X

Audio-Treiber
- Mitgelieferter ASIO-Treiber
- Mitgelieferter WDM-Treiber
- Unterstützt Apple Core Audio Standard

Facebook Headzone® PRO (XT) bei Facebook.

Technische Daten

Übertragungsart   Kabelgebunden
Übertragungsbereich KopfhörerDer Übertragungsbereich gibt die vom Schallwandler des Kopfhörers wiedergegebene tiefste und höchste Frequenz an.   10 - 20.000 Hz
Bauform   Ohrumschließend
Nettogewicht ohne Verpackung   3400 g


Zubehör für Headzone PRO XT HT v2.1.1

Headzone Clip - HC 1
Headzone Clip - HC 1
45,00 €
inkl. 19% MwSt., Versandkostenfrei *
Variable Halteklammer zur Befestigung der Headzone Rail HR 1 oder HR 2 an Displays, als Standfuß oder Wandhalterung.
Headzone Clip - HC 1
Headzone Patchkabel 25pol, 0,5 m
Headzone Patchkabel 25pol, 0,5 m
125,00 €
inkl. 19% MwSt., Versandkostenfrei *
Patchkabel für Headzone PRO XT.
Headzone Patchkabel 25pol, 0,5 m
Headzone Rail - HR 2
Headzone Rail - HR 2
300,00 €
inkl. 19% MwSt., Versandkostenfrei *
Headzone Headtracker-Empfangsschiene mit zwei Ultraschallempfängern für Headzone PRO XT.
Headzone Rail - HR 2
Headzone Patchkabel 25pol, 5 m
Headzone Patchkabel 25pol, 5 m
150,00 €
inkl. 19% MwSt., Versandkostenfrei *
Patchkabel für Headzone PRO XT.
Headzone Patchkabel 25pol, 5 m

Downloads

Bedienungsanleitung

Software

Infomaterial

Firmware


Weitere Downloads finden Sie unter dem Menüpunkt Service.
ProSiebenSat.1 Produktion und Headzone PRO XT
"Das Headzone© PRO XT System ist die optimale Lösung um ungestört 5.1 abzuhören und Fehler im Audio zu erkennen."

"Das Headzone© PRO XT System ist die optimale Lösung um ungestört 5.1 abzuhören und Fehler im Audio zu erkennen."

Joachim Hentschel

Solution Architect, ProSiebenSat.1 Produktion

ProSiebenSat.1 Produktion
Regieraum zum Mitnehmen
Headzone PRO XT HT
Studio Magazine 09/2010

Von: Fritz Fey

 

Beyerdynamic Headzone Pro XT

Für uns begann das ‚Headzone-Abenteuer’ im Juni 2007 mit dem Test der ersten Version eines algorithmischen Systems zur realitätsnahen Abbildung einer Regieraum/Lautsprecher-Abhörsituation über Kopfhörer. Der damalige  Klangeindruck konnte so sehr überzeugen,  dass ich Headzone jeder unbekannten  oder umgebungsbedingt  schlechten Abhörsituation über Lautsprecher  ohne zu Zögern vorgezogen  hätte. Das Ur-System konnte sich jedoch  unter den Profis nicht einer Kritik  ob der vorhandenen Consumer-Anschlusstechnik  mit RCA-Buchsen erwehren,  so dass ein Jahr später eine  professionelle Variante mit AES/EBUXLR-  und analogen Anschlüssen über  Sub-D folgte. Im Dezember 2008 stellten  wir diese Version vor, die sich allerdings  auf der algorithmischen Seite  deckungsgleich mit dem ursprünglichen System präsentierte. Inzwischen  ist jedoch auf diesem technologischen  Sektor eine Menge passiert. Das vom  Institut für Rundfunktechnik propagierte  BRS-System mit real gemessenen  Räumen samt Lautsprechern fand nach  meinem Kenntnisstand bislang keinen  Industriepartner, wenngleich die Ergebnisse  als phänomenal bezeichnet  werden konnten. Damit steht BRS, aus  meiner Sicht leider, zumindest vorläufig  auf dem Abstellgleis. 2009 meldete  sich der bis zu diesem Zeitpunkt noch  völlig unbekannte Hersteller Smyth Research   mit seinem Realizer A8 auf dem  Parkett (Test im Dezember 2009) und  läutete eine völlig neue Ära des virtuellen  Hörens von Lautsprechern in einem  gegebenen Regieraum ein, die den  meisten, die sich einem Hörtest unterzogen,  praktisch die Kinnlade herunterklappen  ließ. Der Realizer basiert  technologisch auf der individuellen,  auf einen Hörer bezogenen Einmessung  mit In-Ear-Mikrofonen, so dass  die gesamte Übertragungskette inklusive  Kopfhörer personalisiert wird. Auf  diese Weise wird die Illusion eines echten  Raums so verblüffend realistisch,  dass selbst kritische Hörer den Unterschied  zwischen Realität und Emulation  nur noch schwerlich ausmachen können.  Der ‚Nachteil‘ (ein ziemlich unpassendes  Wort ob der exzellenten Qualität)  dieses Verfahrens ist, wie man sich  leicht denken kann, dass eine reale Abhörsituation  existieren muss, damit eine  ‚Aufzeichnung‘ und individualisierte  Emulation erfolgen kann. Dies ist aber  gleichzeitig auch der Vorteil, denn man  kann einen real existierenden Raum,  den man im Zweifelsfall auch noch wie  seine Westentasche kennt, auf den eigenen  Hörapparat optimiert, überall hin  mitnehmen. Beyerdynamic verfolgt hier  eine andere Strategie, nämlich die eines  algorithmisch erzeugten, virtuellen  Regieraums, der in der Realität nicht  existiert, dafür aber Mängel vorhandener  Räume nicht einbezieht.  Der Grund für die dritte Headzone-Folge in dieser  Ausgabe ist die Verbesserung der HRTF, der  kopfbezogenen Übertragungsfunktion (Head Related  Transfer Function), die den virtuellen Regieraum  ‚aus der Dose‘ deutlich realistischer  erscheinen lässt. Wie bei allen software-basierten  Produkten kann jeder Besitzer der Hardware  diese verbesserte Funktionalität als Firmware-Update aus dem  Netz ziehen. Sehr interessant ist darüber hinaus die Möglichkeit  einer manuellen Feinabstimmung der Kopfhörerwiedergabe mit einem  parametrischen Vierband-Equalizer, der dazu geeignet ist, gewisse  Unzufriedenheiten im Bereich der tonalen Wiedergabe über  Kopfhörer durch frequenzmäßige Anpassungen zu beseitigen. Da  Headzone auf der Basis eines idealisierten generischen Kopfmodells  arbeitet, wird die Anpassung des Kopfhörerfrequenzgangs  zu einem elementar wichtigen Werkzeug auf dem Wege  zu einer optimalen Systemkonfiguration, da individuelle   anatomische Unterschiede zwischen einzelnen Hörern  ausgeglichen und auch der Kopfhörer an deren Wahrnehmungsapparat  angepasst werden können. 


Kurzüberblick 

 

 

Es ist nach zwei Beiträgen zu diesem Thema sicher nicht  mehr erforderlich, erneut auf alle Details von Hard- und  Software einzugehen (Abonnenten des Studio Magazins  können im Bereich ‚Leser Account‘ das Artikel-Archiv zum  ausführlichen Nachlesen nutzen). Daher folgt hier ein  komprimierter Überblick über die Systemeigenschaften.  Headzone besteht aus der 19-Zoll-Hardware nebst Headtracker,  einer Konfigurations-Software für PC und Mac  sowie einem DT 880 oder DT 770 Kopfhörer mit Headtracking-Einrichtung, der allerdings gesondert zugekauft werden muss. Die Hardware wird über FireWire an den Computer angebunden, was nicht nur die Software-Steuerung, sondern auch eine Audioübertragung vom Computer zum Headzone via Asio ermöglicht. Die Audio-Signalführung kann jedoch auch am Computer vorbei über die XLR-AES/EBU- und die analogen Schnittstellen mit Sub-DArmaturen von Stereo bis 5.1 Surround erfolgen. Die Anschlusstechnik wird durch je einen Eingang für ein Kommando- Mikrofon und den Headtracker, sowie zwei Kopfhörer- Klinkenbuchsen auf der Frontseite vervollständigt. Die Frontplatte sieht mit ihrer gefrästen Oberfläche sehr hochwertig aus und beinhaltet nur wenige Bedienelemente. Insgesamt ist das System darauf ausgelegt, durch die Software-Konfiguration dauerhaft für bestimmte Anwendungen betriebsfertig gemacht zu werden. Drei komplette Einstellungen können per Tastendruck auf der Frontplatte als Preset abgerufen werden. Zentrales Bedienelement sind daher der Lautstärkeregler und in zweiter Linie der Pegelsteller für die Kommando-Lautstärke, damit man sich im Sinne eines klassischen Talkback über den Kopfhörer in der Arbeitssituation verständigen kann. Ein wichtiges Element im Hintergrund ist die Überwachung der maximalen Abhörlautstärke mit dem integrierten Ear-Patron-Modul, das zusammen mit einem schaltbaren Limiter zur Einhaltung einer maximalen Abhörlautstärke integriert wurde. Die Software ermöglicht hier eine entsprechende Konfiguration.

 

Software

 

Die Installation der Software war eine Sache von wenigen Minuten und verlief völlig unproblematisch. Nach dem Starten sieht man das Raum-Setup-Fenster mit grafischer Darstellung der fünf Lautsprecherpositionen. Die virtuellen Lautsprecher können direkt in der Grafik an die gewünschten ‚Aufstellorte‘ auf dem ITUKreis geschoben werden. Genauer und schneller geht es jedoch durch die Eingabe der entsprechenden Gradzahlen. Der Subwoofer steht sinnvollerweise immer auf null Grad, was in der Praxis eher selten empfehlenswert ist, in einem idealisierten Raum jedoch die einzig richtige Wahl darstellt und zu den herausragenden Vorteilen dieser Produktidee gehört. Mit drei Schiebereglern ist man nun in der Lage, das virtuelle Studio einzurichten: Raumgröße, Hörabstand und Diffusschallanteil. Da es sich um das algorithmische Modell eines Raums handelt und die individuelle Wahrnehmung recht unterschiedlich ausfallen kann, dürfte für jeden eine andere Einstellung als optimal empfunden werden. Die drei Regler stehen in einer gewissen Abhängigkeit zueinander, so dass bei kleineren Raumgrößen natürlich auch nur geringere Abhördistanzen möglich sind. Gleichzeitig wird auch die Abhörlautstärke folgerichtig bei größeren Hördistanzen geringer und muss im Zweifelsfall nachgeregelt werden. Die Distanzwahrnehmung wird durch die Raumgröße wesentlich beeinflusst und auch ein gewisser Anteil an Diffusschall ist vonnöten, um eine perfekte Illusion zu erzeugen. Bei höheren Diffusschallanteilen beginnt der Raum ab einem bestimmten Punkt für meinen Geschmack zu artifiziell zu klingen, wobei die Raumgröße natürlich auch auf Art und Betrag des Diffusschalls Einfluss nimmt. Es fällt relativ leicht, eine Einstellung zu finden, die die optische Wahrnehmung eines vorhandenen Raums nebst Lautsprecherpositionen annähernd widerspiegelt, dennoch ist es aufgrund des gewählten Prinzips nicht möglich, einen Raum völlig authentisch abzubilden. Den grundsätzlichen Charakter bekommt man allerdings recht gut hin. Wie man auf dem EQ-Bild sehen kann, habe ich ein wenig Korrekturentzerrung vorgenommen, um das Klangbild unseres Genelec Abhörsystems nachzuempfinden. Mit dieser Einstellung fühlte ich mich auf dem verwendeten DT 880 sehr wohl. Der Equalizer ist ein vierbandiges, parametrisches Modell mit drei Glockenfiltern und einem parametrischen Neigungsfilter im Bereich der hohen Frequenzen. Er ist ein wichtiges Element, auf manuellem Wege eine Anpassung des Klangbildes zu realisieren, da man sehr häufig Kopfhörer und Lautsprecher je nach Anatomie abgleichen möchte. Da große Jungs ja immer Wünsche haben, hätte ich mich sehr darüber gefreut, wenn der EQ auch im Bypass-Modus, also dem normalen 180-Grad-Kopfhörerstereo aktiv bleiben würde. Dem ist aber nicht so, das heißt, die EQ-Korrektur wird in der Betriebssituation eines normalen Kopfhörerverstärkers deaktiviert. Die Volume- Page zeigt die Eingangspegel zum Headzone-System, dazu auch noch den Pegel des Kommandomikrofons und den Master- Stereopegel. Gleichzeitig dient diese Seite als kleines Mischpult mit Mute- und Solo sowie einer sehr hilfreichen Solo-to-Center- Funktion, die jedoch auch abgeschaltet werden kann. Die Control/ Status-Seite ermöglicht die Anwahl des Audio-Eingangs (Fire- Wire, analog oder AES/EBU), die Aktivierung des Gehörschutz-Begrenzers mit einstellbarer Schwelle und beinhaltet die sehr nützliche Ducking-Funktion mit Arbeitspunkt und Absenkungsbetrag. Auf diese Weise kann das Musikprogramm für eine bessere Verständigung automatisch abgesenkt werden. Die Advanced-Seite zeigt zum einen den aktuellen Software-Stand des Systems, ermöglicht aber auch ein Firmware Update und die Vergabe eines Passwortes zum Schutz des Systems. Beim Warten auf die Fertigstellung des Firmware-Updates kann man nicht nur eine kurze Kaffeepause einlegen, sondern notfalls auch ein Mittagessen einnehmen, vielleicht ohne Vorspeise, aber eine halbe Stunde kann diese Prozedur schon dauern. Nun ja, man macht das ja nicht jeden Tag, also Schwamm drüber. Philosophieren und Hören Wie wir mittlerweile alle wissen, ist unser Hörapparat ein sehr komplexes Gebilde, das neben seinen mechanischen Eigenschaften auch eine Interpretation durch unser Gehirn beinhaltet. Insofern wird jeder die Qualität einer räumlichen Hörsituation etwas anders wahrnehmen. Ich kann also hier nicht allgemeingültig, sondern nur aus eigener Hörerfahrung sprechen. Wenn bestimmende Faktoren wie Laufzeitunterschiede, Pegel, das Verhältnis von Direkt- und Diffusschall und Entzerrung ‚wissenschaftlich korrekt manipuliert werden, ist die Illusion einer räumlichen Wahrnehmung außerhalb des Kopfes mit einem Kopfhörer inzwischen kein Hexenwerk mehr. Es kommt jedoch auf die Algorithmik an, wie gut das Ergebnis sich am Ende darstellt. Der alternative Weg ist die Abbildung real existierender Räume. Wahrscheinlich habe ich es an anderer Stelle auch schon einmal gesagt: Man muss sich darauf einlassen, dieses Hörerlebnis haben zu wollen und man muss ein wenig üben, bis die Wahrnehmung ‚einrastet‘. Jedenfalls war es während meiner Hörsitzung so. Zunächst ist von eminenter Bedeutung, die Raumparameter mit der Software zu erkunden und damit zu spielen, bis der Distanz- und Raumeindruck realistisch herüberkommt. Dabei waren mir die realen Positionen unseres Surround-Abhörsystems sehr von Nutzen, denn eine optische Hilfe erleichtert den Vorgang des Einhörens. Nach einer Weile nähert man sich einer realistischen Lautsprechersituation so weit, dass man die Signale aus den Lautsprechern kommen ‚sieht‘. Ab dann kann es wirklich passieren, dass man vergisst, über einen Kopfhörer zu hören. Dieser Eindruck bleibt dann auch bestehen, wenn man sich von der optischen Vorlage des vorhandenen Regieraums löst. Das Headtracking trägt hierzu außergewöhnlich viel bei, denn die Schallquellen (Lautsprecher) bewegen sich nicht von der Stelle, wenn man seinen Kopf dreht, jedenfalls in einem Bereich von etwa 60 Grad, vom Center aus gesehen. Das reicht normalerweise völlig aus, wenn man der Abhörposition nicht gerade den Rücken zuwenden möchte. Schaltet man das Headtracking ab, wandert der gesamte Lautsprecher/Raum-Höreindruck parallel zur Blickrichtung, was ganz praktisch sein kann, wenn man Geräte außerhalb der Hörposition komfortabel bedienen und trotzdem wie in der Abhörposition hören können möchte. Bei meinem ersten Test vor etwa drei Jahren hatte ich leichte Probleme mit der Vorne-Ortung des Center-Lautsprechers, die je nach Musikprogramm mehr oder weniger zu Tage traten. Auch klebten mir die Surround-Lautsprecher zu dicht an meinem Hinterkopf. Mit der neuen Firmware 2.1 sind diese Probleme eine Sache der Vergangenheit. Die Front-Ortung ist sehr viel besser geworden, präsentiert sich in korrektem räumlichen Abstand und auch die Distanzwahrnehmung der Surround-Lautsprecher (der virtuellen natürlich) ist nunmehr absolut realistisch. In meiner Regie schienen die Surround-Signale nun wirklich aus den Lautsprechern zu kommen. Außerdem ist die Stabilität der Abbildung wesentlich unabhängiger vom Musikprogramm geworden. Die Solo-Schaltung einzelner Lautsprecherkanäle schafft nun wirklich einen verblüffenden Realismus.

 

Fazit

Mit rund 3.000 Euro plus Mehrwertsteuer liegt Headzone preislich über dem Niveau der Smyth Konkurrenz, kann jedoch mit einem besseren Bedienkonzept über ein gut strukturiertes Software- Interface, professioneller Anschlusstechnik und einem größeren Headtracking-Bereich aufwarten. Der Realismus der virtuellen Abbildung von Lautsprecherpositionen in einem idealisierten Raum ist mit der aktuellen Software einen bedeutenden Schritt weitergekommen. Die algorithmische Lösung liefert zudem eine unmittelbar betriebsfertige Konfiguration, die mit den vorhandenen Bordmitteln schnell an individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann. Ob jeder meine Hörerlebnisse teilen kann, bleibt zu bezweifeln, da ein generisches Modell keine individuelle Anpassung auf anatomische Gegebenheiten  zulässt. Mein Eindruck ist jedoch noch sehr viel positiver als bei meinem ersten Hörtest im Jahre 2007. Insofern kann eine endgültige Beantwortung der Frage, wie gut die Illusion tatsächlich ist, nur durch einen eigenen Hörversuch erfolgen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Headzone einer unbekannten oder schlechten realen Lautsprecherabhörsituation in jedem Fall vorzuziehen ist, einer klassischen Im-Kopf-Wiedergabe ohnehin, denn es ist über einen längeren Zeitraum wesentlich angenehmer, Musikprogramme außerhalb des Kopfes zu beurteilen, auch, wenn es nur eine Illusion ist. Zu diesem guten Eindruck tragen natürlich auch die ausgezeichneten Eigenschaften des DT 880 Kopfhörers bei, der trotz eines sehr günstigen Preises in der Oberliga der empfehlenswerten Studiokopfhörer mitspielen darf. Es gibt so viele mögliche Anwendungen einer solchen Lösung, die beim Ü-Wagen anfängt, sich bei surround-verpflichteten Gamedesignern und Audio-Editoren in der Post Production fortsetzt und bei Live-Mitschnitten mit mobiler Ausrüstung endet. Sie werden staunen, wie überzeugend und nutzbringend eine virtuelle Realität in diesem Fall sein kann. Testen, wie sehr ihre Höranatomie dem von Beyerdynamic gebauten generischen Modell entspricht, müssen Sie allerdings tatsächlich selbst. Ich habe jedenfalls sehr positive Hörerfahrungen machen können.

 

 

Studioregie zum Mitnehmen
Headzone PRO XT HT
Digital Production 06/2008

Von: Jan Bruhnke


In vielen Umgebungen ist ein Kopfhörer die einzige Möglichkeit, um Audiosignale genauestens beurteilen zu können. Das Headzone-System von beyerdynamic rückt den Audio-Engineer nicht nur stereofonisch in den Sweetspot, sondern auch bei der Mehrkanalproduktion.


Kopfhörer sind neben den Nahfeldmonitoren eine der wichtigsten Stützen bei der täglichen Studioarbeit. Sie ersetzen oft eine alternative Abhöre oder ermöglichen den kontrollierten Höreindruck in perfekter Abhörposition, auch wenn die äußeren akustischen Gegebenheiten eines Raumes ungünstig sind. Beyerdynamics Headzone-System geht hier noch einen Schritt weiter und verfolgt die Idee, die wichtigsten Parameter für die Charakteristik eines nahezu idealen Abhörraumes nachzubilden, und das nicht nur für die beiden Lautsprecher eines Stereo-Pärchens, sondern ebenso für 5.1-Setups. Das Headzone- Pro-System besteht dazu hauptsächlich aus einer kompakten Digital-Prozessor-Box (Basisstation) und einem Modell des halboffenen Studiokopfhörers beyerdynamic DT 880 HT. An der Basisstation finden sich über den Cinch-Eingängen (unsymmetrisch, Empfindlichkeit: -10 oder +4 dB) die Analogausgänge eines entsprechenden Soundinterface Anschlusses. Weiterhin findet man eine FireWire-Schnittstelle vor, die vom Rechner bis zu sechs Digitalströme in einer Qualität von bis zu 96 kHz weiterreicht. Seinen Studiokopfhörer schließt man an der Frontseite der Basisstation über einen gewöhnlichen Monoklinkeneingang an und kann ihn über einen eleganten Alu-Volume-Drehregler in der Gesamtlautstärke regulieren. Das Headzone-System kann prinzipiell mit jedem Kopfhörer umgesetzt werden, ist aber auf die klangspezifischen Eigenheiten der beyerdynamic-Modelle DT 880 Pro und DT 770 optimiert, die auch im Control-Panel der Software angewählt werden können. Wer die Headtracking-Funktion nutzen möchte, muss allerdings zwischen dem DT 880 Pro HT und dem DT 770 Pro HAT wählen, da nur diese über dementsprechende Aufsätze verfügen.


Living in a Box

Die Breakout-Box enthält mit ihrer verbauten DSP-Technologie das Herzstück für die Berechnung von beyerdynamics in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Spezialisten Sonic Emotion entwickelter Binaural-Environment-Modeling-Technologie. Die Idee dahinter ist, dass diese die ankommenden Audiostreams so bearbeitet, dass über nur zwei Membranen des Kopfhörers ein Klangeindruck wahrgenommen wird, als befinde man sich tatsächlich in einem Abhörraum. Jeder Lautsprecher des 5.1- Systems wird dazu eigens „simuliert“. Dazu können die „virtuellen Surround-Speaker“ sowie der LFE-Anteil per mitgelieferte Software positioniert und eingerichtet werden. Am Kopfbügel des Hörers ist weiterhin eine spezielle Ultraschallsendeeinheit für das Headtracking angebracht. Sie gleicht sich mit einem speziellen Empfänger ab, den man mit einer einfachen Klammer am Monitor oder der Wand anbringt. Die Headtracking-Funktion gleicht die internen Berechnungen des virtuellen Raums auch jeweils an die exakte Kopfausrichtung des Abhörenden an.


Prinzipien

Um zu verstehen, wie die Software vorgeht, sollte man sich kurz verdeutlichen, welche Grundprinzipien ein räumliches Hören ermöglichen. Natürlich hören wir mit unseren zwei Ohren generell stereo; dennoch ist es so, dass wir mit ihnen auch gezielt Raumeindrücke empfinden. Unser Gehirn ist in der Lage, die empfangenen Schallwellen in ihrer Beziehung zueinander zu bewerten. Dadurch entstehen nicht nur simple Links/Rechts-Informationen, sondern es ist uns auch möglich gezielt dreidimensionale Impressionen der Schallquellen zu bilden. Sie werden auf Grund von einer ganzen Reihe von komplexen Vorgängen erzeugt – beispielsweise erkennt das menschliche Gehör Laufzeitunterschiede zwischen den beiden Ohren. Auch Pegelunterschiede zwischen den Hörorganen sind entscheidend: die zuerst auf das rechte Ohr eintreffenden Signale beugen sich um den Kopf herum und werden vom linken mit reduzierten Pegel und veränderten Frequenzspektrum wahrgenommen. Selbst die an Nase und Gesicht entstehenden Beugungswellen sind mitverantwortlich für präzise Klangeindrücke. Zusätzlich sind viele weitere Unterscheidungsmerkmale, wie etwa die Differenzierung zwischen Direkt- und Diffusschall, typische Reflexionsmuster eines Raums sowie die Bewegung unseres Kopfes entscheidende Faktoren bei der Wahrnehmung von 3D-Schallinformationen. Die einzelnen Werte dieser Einflüsse sind in der kopfbezogenen Übertragungsfunktion (kurz HRTF) gebündelt, welche eine der Grundlagen für beyerdynamics DSP-Schaltung bildet.


Software

Als Treiber für die Headzone-Basisstation fungieren PC-seitig ASIO und WDM, am Mac unterstützt das System den Core-Audio- Standard. Die Installation der beiliegenden Software geht einfach vonstatten, nach dem Booten stehen einem vier Unterkategorien für Einstellungen für das Raum-Setup, die Volume- und Statuskontrolle sowie für zukünftige Firmware-Updates zur Verfügung. Im Raumdesign-Bereich findet der Anwender seine einzelnen Lautsprecher (Front-L, Center, Front-R, Surround-L und Surround-R) innerhalb des standardisierten ITU-Kreises vor. Hier ist möglich, die Versatzwinkel der Speaker individuell zu justieren. Weiterhin kann man die Eigenschaften des Regieraums gezielt modellieren. Beyerdynamic hat hier viel Wert auf eine einfache Bedienung gelegt und kommt mit den drei Parametern Raumgröße, Entfernung der Abhöre und Ambience beziehungsweise Beschaffenheit des Raumes aus. Grundlegend orientiert sich der Simulationsrahmen des virtuellen Studios bereits an positiven Eigenschaften von Referenzregien. Mit dem eher dürftig anmutenden Regler-Trio ist es nach längerer Einhörphase erstaunlich gut möglich, seinen Ohren ein realistisches Raumempfinden zu entlocken. Es kommt sogar des Öfteren vor, dass man nach links-hinten zu einem eigentlich „nur“ virtuellen Lautsprecher schielt. Grundsätzlich ist es gut, dass man sich hier nicht in einem Parameter-Dschungel verliert, sondern der User eher nach Gefühl die gewohnten Höreindrücke seiner ganz persönlichen Studioumgebung formt. Laut beyerdynamic wurden Raumgröße, Quellendistanz und -einfallsrichtung dabei algorithmisch modelliert, um damit verfärbungsfrei Studioräume nachzubilden zu können. Die Implementierung erfolgt allerdings über eine speziell optimierte Faltungstechnik für interaktive Systeme. Room-Size-Anteile und Ambience- Parameter werden den Signalen also sowohl algorithmisch als auch per Faltung aufgeprägt. Auf der Volume-Page hat man über mehrere Peakmeter die sechs ankommenden Surround-Kanäle und ein Stereo-Master- Meter im Blickfeld. Man kann sie regulieren und bei Bedarf einzeln stumm schalten. Der LFE-Kanal bildet eine Besonderheit: er kann zusätzlich auf „Fullrange“ geschaltet werden, was die Bandbegrenzung aufhebt. Zusätzlich ist auch eine Phasendrehung des Subwoofer- Signals möglich. Während sich die letzte Page den Firmware- Updates annimmt, kann man im „Control/ Status“-Fenster unter anderem auf die Headtracking-Funktion Einfluss nehmen. Diese rechnet, wie erwähnt, mit Hilfe des Ultraschallsensors auf dem Hörerbügel die jeweilige Position des Kopfs in die Simulation mit ein. Ohne diese Funktion hätte der Anwender nur einen statischen Klangeindruck. Bei Bewegung des Kopfs würde das Gehirn den User stets daran „erinnern“, nur einen Kopfhörer zu tragen, da man es ja nicht gewöhnt ist, mitdrehende Lautsprecher im Studio zu haben. Über einen zentralen Empfänger wird also beim Headtracking das Ultraschall-Signal des Kopfhörers alle 50 ms abgeglichen und somit der Winkel der Kopfposition bestimmt. Mit einem rückseitig angebrachten Reset-Button kann eine Stellung des Kopfes geeicht und an die Software weitergegeben werden.


Höreindruck

Zum Einstellen der Raumparameter sollte man sich viel Zeit nehmen, denn es dauert eine Weile, bis man sich an beyerdynamics Simulation gewöhnt hat. Raumgröße und die Entfernung der Abhöre sind dabei durchaus  Geschmackssache. Bei der Räumlichkeit oder Ambience sollte man etwas vorsichtig sein, da dieser Parameter auch leicht das Signal färbt. Hat man den Kopfhörer im 5.1- Mode allerdings längere Zeit im Einsatz, sind die Klangeindrücke erstaunlich real und man merkt, wie sich das Gehör immer weiter an das Klangbild des virtuell modellierten Studios herantrainiert und sich ebenfalls detailliert auf die einzelnen Surround-Positionen eicht. Die Headtraking-Funktion ist dabei eine wichtige Stütze, denn gerade sie schärft diesen Eindruck zusätzlich – auch in der Hinsicht, dass man seinen Kopf manchmal instinktiv zu den einzelnen Klangquellen ausrichtet, wenn sie isoliert aus einem Kanal ertönen. Als Basis für den fundierten Abhörvorgang in Stereo- sowie im Surround-Mode, sorgt natürlich die sehr gute Klangqualität des DT-880-PRO-Kopfhörers, die ein ausgewogenes Frequenzbild zu Tage fördert. Sicherlich kann eine 5.1-Emulation nicht ein zu eins mit der realistischen Erfahrung eines sehr teuren Abhörsystems mit perfekt eingemessenen Lautsprechern mithalten, kommt diesem Zustand dennoch erstaunlich nahe. Das Headzone-Konzept ist also eine ernstzunehmende und im Moment konkurrenzlose Alternative für alle Studios und Abhörorte, in denen es in Bezug auf den Raum schwierig ist, eine perfekte 5.1-Regie herzustellen: etwa im Broadcastbereich, wenn man in einem akustisch unwegsamen Übertragungswagen arbeitet. Auch in einer improvisierten Live- oder Theater-Event- Tonregie, die mit Mehrkanalsignalen umgehen muss, ist das System sicherlich gut geeignet. Die gerade erschienene XT-Version mit Profianschlüssen unterstreicht die Notwendigkeit des Markts in den zuletzt genannten Beispielen. Auch der Mobilitätsfaktor ist nicht zu unterschätzen. Als Tontechniker kann man mit dem Headzone-System von jeglichem Ort aus unter den exakt gleichen Abhörbedingungen arbeiten. Neben einem Einsatz als Zweitabhöre eines bestehenden 5.1-Speaker-Setups, ist das Headzone- System natürlich auch für Projektstudios oder Game-Soundtrack-Designer, die in Richtung Surround-Mixing gehen, eine interessante Alternative.


Information

Headzone: Pro XT

+ Kopfhörer-Wiedergabequalität

+ sehr gute 5.1-Speaker und Raumsimulation

+ inspirierende Headtracking-Funktion

+ kompaktes, mobiles Design

+ einfache Installation und Handling

- DSP-generierte Räume brauchen Eingewöhnungsphase

- Headtracking nur mit beyerdynamic-Modellen


Headzone PRO XT

Mit der PRO XT-Version Basisstation expandiert das Einsatzgebiet des Headzone-Konzepts deutlich in den Profibereich. Die DSP-Schaltung der kompakten Basisstation hat beyerdynamic dafür in ein immer noch transportables 19“/1HE-Rackeinbaugerät verlagert und den Funktionsumfang erweitert. Die sechs analogen Kanäle der 5.1-Audio-Eingänge sind symmetrisch ausgelegt (25-pol. SUB-D). Die digitale Anbindung kann über den FireWire-Anschluss oder über eine AES/EBU-Schnittstelle vorgenommen werden. Weiterhin finden sich viele weitere Detailverbesserungen, die im regen Austausch mit Anwendern eingeflossen sind. So gibt es etwa einen lautstärkeregelbaren Kommunikationseingang zum Einspeisen von Regieanweisungen. Weiterhin gibt der zweite Kopfhörerausgang einem weiteren Tonassistenten die Möglichkeit, Mischungen abzuhören. An der Front ruft man zielgerichtet eigens abgespeicherte Raum-Presets auf und aktiviert hier ebenfalls auf Wunsch die Headtracking-Funktion. Zusätzlich soll ein passwortgeschützter Limiter mit der EarPatron- Technologie lang arbeitende Tontechniker vor Hörschäden bewahren.

 

 

Rock Around The Kopf
Headzone PRO XT HT
Studio Magazin Dezember 2008

Von: Fritz Fey


Als ich mich vor etwa anderthalb Jahren das erste Mal mit dem Headzone-System von beyerdynamic beschäftigte, war ich von der Idee eines, ‚5.1-Regieraums zum Mitnehmen’ – inklusive Lautsprecher, versteht sich – sehr begeistert. Die zum Teil erschreckend schlechten Abhörbedingungen, unter denen zum Beispiel die Kollegen des Live-Mitschnitts regelmäßig leiden, wenn man sie in periphere Räumlichkeiten mit grausiger Raumakustik verfrachtet, machen eine zuverlässige Abhörkontrolle bei Surround-Produktionen zu einer unabdingbarer Notwendigkeit. Aber auch Studios, die bisher den Schritt in die Surround-Produktion nicht gewagt haben, können mit Hilfe eines Kopfhörers und Headzone vergleichsweise mühelos Surround-Abhörbedingungen ohne Anpassungsmaßnahmen für die gegebene Raumakustik der Regie herstellen. Ähnliche Vorteile ergeben sich für Produzenten und Musiker, die gerne ‚auf Reisen’ oder ambulant produzieren und natürlich auch für die Gilde der Game-Audio-Designer, für die Surround zum alltäglichen Geschäft gehört. Mit Hilfe von Headzone könnte theoretisch sogar die etwas gruselig anmutende Zukunftvision einer Post Production im Stile eines Großraumbüros Realität werden, wenn der Kostendruck weiter steigt. Die erste Version, ‚Headzone Pro’ repräsentierte bereits eine ausgereifte Variante der von beyerdynamic entwickelten Technologie der Außerkopflokalisation als Emulation eines realen 5.1 Lautsprecher-Setups inklusive raumakustischer Parametrik, litt jedoch noch ein wenig unter dem Makel des Fehlens einer professionellen Anschlusstechnik. Im letzten Herbst zeigte der Hersteller eine neue Hardware-Version mit der Bezeichnung Headzone Pro XT hat auf der Amsterdamer IBC und konnte damit auch die Kritiker von Cinch-Buchsen in einem professionellen Arbeitsumfeld auf seine Seite ziehen. Die erreichte Qualität der Verlagerung einer realen 5.1-Abhörsituation über Lautsprecher auf eine virtuelle, via Kopfhörer dargestellte Ebene, ist aus meiner Sicht nach wie vor überzeugend, zumal ich in den vergangenen Monaten immer wieder Gelegenheit hatte, mit dem System zu arbeiten, sowohl in der Mischung als auch im Zusammenhang mit Mastering-Aufgaben.


Schon im ersten Teil wurde deutlich, dass Headzone als tägliches Arbeitsmittel vielen realen Lautsprecher-Abhörsituationen dann eindeutig vorzuziehen ist, wenn sich die Raumakustik nachteilig auf die Übertragungsfunktion auswirkt. Einbrüche im Frequenzgang, speziell im Bereich tiefer Frequenzen, kammfilter- und Beugungseffekte durch Arbeitstische, TFTs und Racks, schlechte Ortung durch frühe Reflexionen an der Abhörposition und vieles anderes mehr, existieren in der virtuellen Welt des Headzone-Systems prinzipbedingt nicht und selbst diejenigen Anwender, die mit Berührungsängsten im Angesicht einer digitalen Emulation zu kämpfen haben, sollten die Einsicht besitzen, dass eventuelle Nachteile einer Kopfhörer-Übertragung im Vergleich zu realen Abhörproblemen wie ein guter Deal aussehen müssen.


Systemüberblick

Das XT-HT-System (HT steht für Headtracking) kommt nun im professionellen Gewand eines 1HE-19-Zoll-Gehäuses und der Blick auf die Geräterückseite verrät, welchen Anwenderkreis der Hersteller vornehmlich im Visier hat. Das System besteht aus der Basisstation HBP 2, der Empfangsschiene für das Headtracking mit Halteklammer und der Steuersoftware für wahlweise Mac oder PC, die zur Einrichtung der Wiedergabeparameter prinzipiell einmal zum Einsatz kommen muss, denn danach arbeitet die Basisstation autark. Als Zubehör werden FireWire-Kabel in den bekannten zwei Anschlussnormen mitgeliefert. Inzwischen hat man auch die Wahl zwischen dem halboffenen DT 880 Pro HT und dem geschlossenen DT 770 Pro HT Kopfhörer, der allerdings separat gekauft werden muss. Es ist eigentlich nur eine Frage des persönlichen Geschmacks oder des Umgebungsgeräusches bei der Arbeit, welchen Kopfhörertyp man bevorzugt. Beide Kopfhörermodelle verfügen über einen fest auf dem Bügel montierten Headtracking-Sender. Die Auswahl des Kopfhörers geht in der Software mit dem Anklicken des bevorzugten Kopfhörertyps einher, dessen Übertragungseigenschaften algorithmische Berücksichtigung finden müssen. Der eigentliche Simulationsalgorithmus ist seit der Erstvorstellung des ursprünglichen Systems unverändert geblieben.


Bedienung und Ausstattung

Die Frontplatte bietet neben dem obligatorischen Netzschalter drei Preset-Tasten mit dazugehörigen LEDs, die mittels Software mit drei Abhör-Setups beladen werden können. Ganz neu ist der Lautstärkeregler für den Kommunikationskanal, der den Anwender über Intercom beziehungsweise Talkback ansprechbar macht. Mit einer Taste kann die Headtracking-Funktion ein oder ausgeschaltet werden. Eine entsprechende Status-LED zeigt an, ob das Headtracking aktiv ist oder ob sich der Headtracker außer Reichweite der Empfangsschiene befindet. Soll die Basisstation als reiner Stereo-Kopfhörerverstärker fungieren, kann man die gesamte Emulationsmimik auch in den Bypass-Zustand versetzen. Mit der Taste für die Einganswahl beziehen wir uns gleichzeitig auch auf die Rückwärtig vorhandenen Anschlüsse. Zur Wahl stehen analoge Eingänge auf 25-pol Sub-D (6 Kanäle) nach Tascam-Belegung, FireWire (IEEE 1394) oder AES/EBU auf drei XLR-Buchsen. Die Input-Status LEDs zeigen nicht nur den gewählten Eingang, sondern werden rot, wenn er sich kurz vor der Übersteuerungsgrenze befindet. Der Master-Lautstärkeregler bedient die beiden vorhandenen Kopfhörerausgänge. Da Headtracking bei Verwendung von zwei Kopfhörern mit einer Empfangsschiene nicht sinnvoll ist, wird beim Anschluss des zweiten Kopfhörers die Funktion automatisch deaktiviert. Für den Anschluss gelten die üblichen Regeln für zu verwendende Kopfhörer, man sollte möglichst Kopfhörer mit gleicher Impedanz verwenden. Das Ansprechen des integrierten Limiters wird durch eine weitere LED angezeigt. Das neue Hardware-Konzept beinhaltet eine ‚Lärmdosis-Anzeige’, die aus sieben LEDs besteht und auf beyerdynamics EarPatron-System basiert. EarPatron dient der Wahrung des Gehörschutzes und funktioniert ähnlich eine LEQ-Messung, die die Belastung der Ohren über einen längeren Zeitraum misst und auswertet. Je mehr LEDs leuchten, desto eher läuft man Gefahr, seine Ohren übermäßig mit Abhörlautstärke zu belasten. Neben den analogen und digitalen Eingängen findet man auf der Geräterückseite einen analogen XLR-Eingang für das Kommunikationssignal und den Anschluss für das Headtracking-Kabel, das zur Empfangsschiene geführt sein muss.


Update

In der Juni-Ausgabe 2007 hatte ich mich schon einmal ausführlich mit dem Headzone Pro System auseinandergesetzt und möchte mich in diesem Beitrag nicht gerne selbst zitieren. Inzwischen gibt es viele Anwender der Headzone-Technologie, die im Produktionsalltag wertvolle Dienste leisten. Das Vorurteil, man könne auf Koprhörern eh nicht mischen, hält sich jedoch beharrlich bei einem unbelehrbaren Teil der Anwender, die gewohnt sind, den Kopfhörer als gelegentliche Lupe mit 180 Grad Stereobasis zu nutzen. So kann das natürlich auch nicht funktionieren. Der Vorteil des Headzone-Systems liegt ja gerade darin, dass die virtuellen Lautsprecher in der erwarteten Richtung geortet werden können und dadurch eine reale Stereobasisbreite von 30 Grad nach Links und rechts bilden. Unter diesen Voraussetzungen ist das korrekte Beurteilen der Stereobasis sehr wohl möglich, zumal die Illusion einer Außerkopflokalisation sehr gut funktioniert, besonders für Front-L/R und Surround L/R. Die Wahrnehmung des Centers, frontal außerhalb des Kopfes, ist stark vom spektralen Inhalt des Signals abhängig. Präsent gemischte Stimmen unterstützen eine deutliche Frontortung, die prinzipbedingt von der Balance zwischen linearer Übertragungsfunktion und psychoakustischer Entzerrung abhängig ist. Wie ich seinerzeit schon herausfand, ist die Illusion dann wirklich perfekt, wenn man sich einmal intensiv mit der korrekten Abstimmung der raumakustischen Parameter mittels Software beschäftigt. Als Faustregel kann nach meiner Erfahrung der Grundsatz ‚weniger ist mehr’ gelten, denn wir wollen als professionelle Anwender keine spektakuläre Bühne, sondern eine verlässliche Beurteilungsmöglichkeit. Im Zuge meiner Experimente fand ich – sehr aufschlussreich! – heraus, dass die präzise Entfernungsortung von Signalen aus einem Lautsprecher viel mit seiner visuellen Präsenz zu tun hat. Wer also erfolgreich Außerkopflokalisation mit einem Kopfhörer praktizieren möchte, muss dieses auch wirklich wollen. Machen Sie einmal einen Selbstversuch mit geschlossenen Augen über Lautsprecher – die Entfernungsbestimmung ist keinesfalls so leicht und offensichtlich wie gemeinhin angenommen wird.


Fazit

Mit dem Headzone Pro XT/HT hat beyerdynamic die Technologie des virtuellen Hörens von Surround-Programmen auf der Hardwareseite perfekt an die Bedürfnisse eines professionellen Arbeitsumfelds angepasst. Meine positiven Aussagen zu Qualität und Realismus des dargestellten Schallfeldes muss ich auch heute, nach längerer praktischer Erfahrung, keineswegs zurücknehmen, sondern kann diese sogar noch einmal ausdrücklich bestätigen. Ich würde in jedem Fall die Beurteilung einer Surround-Produktion mit Headzone einer unsicheren Abhörsituation über Lautsprecher vorziehen, denn in der Praxis leiden sehr viele  Studios unter schlechten Abhörbedingungen, die den Betreiber zwingen, auf vielfältige Art und Weise ‚um die Ecke’ zu hören. Mit der Einführung der neuen Hardware, die in zwei Varianten verfügbar ist, wurde der Preis des ursprünglichen Headzone Pro leicht gesenkt. 

Ich würde in jedem Fall die Headtracking-Variante empfehlen, weil das virtuelle Fixieren der Lautsprecherpositionen beim Drehen des Kopfes für mein Empfinden sehr stark zum Realismus der virtuellen Darstellung beiträgt. Ich darf meine Empfehlung erneuern: Das Headzone-System ist die perfekte alternative Lösung und ein wertvoller Begleiter auf ‚Geschäftsreisen’, wenn man auf eine verlässliche Abhörreferenz angewiesen ist.

Varianten

nein
ja
 

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